Swe-Dagon-Pagode in Yangoon/Myanmar
Markus Noichl, Weihnachts-Kabarett
Le Maire, Landschaft von Ferundpolz mit Grünten
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Wilhelm Krause, Alpsee

Willy Jaeckel - Der Visionär im Oberallgäu von 1919 bis 1923

Willy Jaeckel, Dame in Gelb 1928
Willy Jaeckel, Dame in Gelb 1928
Willy Jaeckel, Geryon, Dante-Vergil
Willy Jaeckel, Geryon, Dante-Vergil
Willy Jaeckel, Überschattung 1, 1922
Willy Jaeckel, Überschattung 1, 1922
Willy Jaeckel, Im Granatfeuer
Willy Jaeckel, Im Granatfeuer

Ausstellung: So. 30.03. – So. 25. 05. 2014, Di. – So. von 14 bis 17 Uhr Ostermontag geöffnet, Eröffnung der Ausstellung: Sa. 29. 03. 2014, 19 Uhr, Vorabenderöffnung Fr. 28. 03. 2014, 19 Uhr. Beachten Sie das umfangreiche Begleitprogramm!

Einer der bedeutendsten Künstler, die im 20. Jahrhundert im Allgäu lebten, ist der Berliner Maler Willy Jaeckel (1888-1944). Er war vor 100 Jahren zu Beginn des 1. Weltkriegs der erste, der mit erschütternden Lithografien nicht in den Hurra-Patriotismus einstimmte, sondern die Gräuel des Krieges drastisch darstellte. 1919, noch vom Erlebnis des Krieges geprägt und vom Nachkriegschaos in Berlin entsetzt, suchte er die Stille der Allgäuer Berge. Er kaufte ein Haus in Gunzesried und zog mit Frau und Kind ins Allgäu. Diese Zeit steht im Mittelpunkt einer von der Villa Jauss und der Kulturgemeinschaft Oberallgäu ausgerichteten Ausstellung von über 100 Werken im Kunsthaus Jauss in Oberstdorf: „Willy Jaeckel. Der Visionär im Oberallgäu (1919 -1923)“.

Jaeckel entwickelte in Gunzesried Visionen einer neuen Gottbezogenheit und veröffentlichte dazu 234 Radierungen ab 1921. Er war überzeugt, dass die bildende Kunst eine neue Spiritualität gegen den Materialismus und die Oberflächlichkeit der modernen Gesellschaft setzen müsse. Sowohl dem Einzelnen als auch der Gemeinschaft wollte er mit seinen Arbeiten Orientierung und Hilfe geben. Es entstand eine visionäre Neuinterpretation der Bibel auf apokalyptischem und anthroposophischem Hintergrund.

Jaeckels Jahre im Allgäu waren völlig vergessen bis der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Thomas Gehring einen Hinweis gab, dass in seinem Elternhaus Willy Jaeckel vier Jahre lang an diesem großen Grafikzyklus arbeitete, den er selbst damals als sein Hauptwerk betrachtete. Nach 1925 lehrte Willy Jaeckel an der Kunstakademie in Berlin. Er wurde mit seinen delikaten Frauenporträts im Stil der Neuen Sachlichkeit einer der herausragenden Bildnismaler der 20-er und 30-er Jahre. Seine Arbeiten wurden in München, Dresden, Berlin, Zürich, New York, Pittsburgh, Frankfurt und Wien gezeigt. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten als Professor entlassen. Nach großem Protest seiner Studenten wurde er wieder ins Amt eingesetzt, jedoch . in der Ausübung seines Berufs behindert. Demoralisiert gab Jaeckel 1943 die Lehrtätigkeit an der Akademie auf. Vor 70 Jahren, Ende Januar 1944, wurde das Wohnhaus und Atelier am Kurfürstendamm von Spreng- und Brandbomben getroffen. Willy Jaeckel starb inmitten der Trümmer.

Die Ausstellung zeigt hauptsächlich Werke aus seiner Allgäuer Zeit: Portraits von Schauspielern und Familienmitgliedern, die Apokalyptischen Visionen, Bilder zum Alten und Neuen Testament, Liebespaare und Akte. Es ist gelungen, trotz der derzeit großen Nachfrage vieler Museen nach dem Kriegszyklus „Memento“ von 1914/15 diesen vom Bröhan-Museum Berlin geliehen zu bekommen. Hinreißend gute Aktzeichnungen, z.T. noch nie öffentlich gezeigt, gehören zu den Highlights der Jaeckel-Ausstellung. Eine Bilderschau im Erdgeschoss gibt einen Einblick in Leben und Werk des Künstlers. Vorträge zu unterschiedlichen Themen seiner Malerei und Grafik vertiefen das Verständnis dieses außergewöhnlichen Menschen.

In Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinschaft Oberallgäu e.V.