am 27.03.2010 von Initiative Villa Jauss e.V

Arrigo Wittler (1918-2004)

Arrigo Wittler

Das Kunsthaus Villa Jauss in Oberstdorf zeigt vom 27. März bis 16. Mai 2010 Bilder des Malers Arrigo Wittler

Wittler war ein Weltenbummler und Kosmopolit, betrieb Ateliers im Golf von Neapel, Meran, München, Norddeutschland und im Tannheimer Tal.
In den 1950er Jahren zählte er auch Oberstdorf zu seiner Heimat.
Hier lebte und arbeitete er und nahm am geselligen Treiben des Ortes teil. Abends war er im „Hirschen“ anzutreffen und pflegte Freundschaften u.a. zu Hans Seeweg, den er auch in den 1990er Jahren portraitierte. Für Frau Wölpl (Wirtin im Gasthaus „Hirsch“) entwarf er eine lustige Postkarte Sein Atelier befand sich hinter der Lorettokapelle bei Familie Köcheler.
Arrigo Wittler war bis zu seinem Lebensende dem Allgäu treu.
Um die Jahrhundertwende besaß er auch ein Atelier in Bad Oberdorf bei Hindelang.
Sein Werk ist so abwechslungsreich wie sein Leben . Neben seinen „Strukturen“ und „Metamorphosen“, die sein Hauptwerk bilden, malte er Landschaften und Portraits. Die Allgäuer und Tannheimer Bergwelt hat es ihm genauso angetan, wie die Menschen, die ihn hier umgaben. Dabei ist ein facettenreiches Oeuvre entstanden.
Die Villa Jauss dokumentiert dieses umfangreiche Schaffen in einer Ausstellung, die einen Bogen spannt von seinen Allgäuer Bildern bis hin zu den arbeitsintensiven „Strukturen“. Farbintensive expressive Arbeiten werden ebenso gezeigt wie feine Zeichnungen, altmeisterliche Ölmalerei und spontane Skizzen. Portraits werden den „Metamorphosen“ gegenübergestellt und Landschaften in Beziehung zu den „Strukturen“ gesetzt.
Die Ausstellung des 2004 verstorbenen Arrigo Wittler verspricht ein gelungener Auftakt für die Kunstsaison 2010 zu werden.
Zu sehen sind die Bilder vom 27. März bis 16. Mai 2010 jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Die Vernissage findet am Donnerstag, dem 25. März 2010, um 19 Uhr statt. Grußwort Bürgermeister Laurent O. Mies, Laudatio Wilhelm Geierstanger.
Vortrag zu Arrigo Wittler von Wilhelm Geierstanger
Sa. 17. April, 20.00 Uhr
Di. 27. April, 20.00 Uhr
Fr. 07. Mai, 20.00 Uhr

Leben und Werk
Arrigo Wittler wurde 1918 in Westfalen geboren und galt schon in jungen Jahren als sehr begabt. Er wurde zunächst durch Privatlehrer wie Eberhard Viegener und Christian Rohlfs ausgebildet. Ab 1936 besuchte er die Kunstakademie in München. Es folgten schwere Jahre als Soldat an der Front.

Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft begann für ihn ein Leben der Neugier und Wanderschaft. Er betrieb Studien am Elektronenmikroskop, in medizinischen Labors und interessierte sich für naturwissenschaftliche Themen. Das philosophische Werk von Jean Gebser und Immanuel Kant prägten sein Denken so sehr, dass er sich 25 Jahre in den Golf von Neapel (Procida, später Ischia) zurückzog, um seine Bildsprache zu entwickeln. Dabei entstanden Arbeiten, denen er den Arbeitstitel „Struktur“ gab. Sie führen den Betrachter optisch in eine neue Dimension. Es ist die unsichtbare, manchmal sogar unbegreifbare Welt, die aber real und um uns herum ist. Wir sind in ihr und alles ist davon durchdrungen. Dies versuchte Arrigo Wittler durch seine vielschichtigen Bilder, die kein oben und kein unten kennen, optisch darzustellen.
Jean Gebser sagte, Kunst sei, das Unsichtbare sichtbar, das Unsagbare sagbar und das Unhörbare hörbar machen. Dieses Zitat war Arrigo Wittler zeit seines Lebens Antrieb für seine Bilder. Dabei entstanden seine „Metamorphosen“. Sie zeigen Verwandlung, Umgestaltung, Verbiegung und Anpassung, die das Leben in der modernen Welt prägen. Wir werden überrollt von Eindrücken, Strömungen und Pseudowelten und dadurch in unserer Art deformiert.
Arrigo Wittler war nicht nur ein Mensch der Schwere und des ernsten Lebens. Er liebte das Leben und die Menschen. So fing er neben seinen „Metamorphosen“ und „Strukturen“ auch Portraits, unbeschwerte Menschen, schöne Landschaften und Wolkenformationen mit seinem künstlerischen Auge ein. Es entstand ein facettenreiches Werk. Er ließ sich nie festlegen, malte, was er wollte. Für ihn gab es keinen Stil, nur das Malen. Seine Technik war zur Perfektion ausgereift. Dies bescherte ihm viele Erfolge, die in Ausstellungen u.a. in Wien, München, Zürich, Belgrad, Zagreb und Tokio gefeiert wurden. Er hatte Ateliers in verschiedenen klimatischen Zonen: außer im Golf von Neapel auch im Tannheimer Tal in Tirol, einem Hochtal in über 1000 Meter Höhe, das ihm immer wieder Heimat, Zuflucht und Ruhe bot. Darüber hinaus in den 50er Jahren in Oberstdorf, in München, Meran, der Wesermarsch und Worpswede, wo er 2004 starb.

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