am 01.04.2011 von Initiative Villa Jauss e.V

Doppelausstellung: Maria Farkas - Malerei und Kunst im Allgäu 1945 - 1965

Maximilian Rueß, Christuskopf - Harzfarben 1966

Werke aus der Sammlung Dr. Wilhelm Maul

Mit seiner Frühlingsausstellung würdigt das Kunsthaus Villa Jauss zwei Persönlichkeiten, die Kunst im Allgäu von 1945 bis heute immer wieder engagiert gefördert haben. Der Kemptner Arzt Dr. Wilhelm Maul (1901 - 1973) sammelte Kunst aus Leidenschaft. Seine Sammlung, die ca. 1500 überwiegend graphische Werke umfasst, wird heute bewahrt von seiner Tochter Maria Farkas, selbst Künstlerin, die auch das von Dr. Maul gegründete Kemptner Kunstkabinett weiter betreibt. Lassen Sie sich begeistern für eine spannende Auswahl aus dieser Sammlung von Werken jener Künstler, die die künstlerische Landschaft im Allgäu der Nachkriegszeit geprägt haben, darunter Werke von bekannten und weniger bekannten Künstlern wie Maximilian Rueß, Hermann Raddatz, Walter Jakob, Michael Pascevitius, Georg Tyrkowski, Hans-Erwin Steinbach, Hans Dietmann u.a..
Im Dachgeschoss zeigt das Kunsthaus Bilder der Künstlerin Maria Farkas - transparent wirkende Stilleben mit großer Leuchtkraft und Leichtigkeit.

Künstlerisches Arbeiten in der Nachkriegszeit glich einem zögerlichen Frühlingserwachen: Aufbruchsstimmung nach so vielen Jahren der Beschränkung künstlerischer Freiheit, aber auch das Vergangene in irgendeiner Art und Weise verarbeiten wollen, wieder anknüpfen an die Zeit vor 1933 und eine eigene und neue Bild- und Formensprache entwickeln, mit spärlichsten Mitteln und gebremst durch die täglichen Mühen, das Nötigste zum Leben und zudem Farben, Papier und Leinwand besorgen zu müssen.
Die Situation im Allgäu war besonders brisant: auf einen Stamm gut etablierter Künstler, die im Allgäu seit langem ansässig und als Kunsterzieher oder freie Maler tätig waren trafen mittellose heimatvertriebene Künstler und solche, deren Werke im 3. Reich unerwünscht oder gar als 'entartet' eingestuft worden waren. So fanden sich im Allgäu Künstler aus halb Europa, die hier einen Neubeginn suchten. Die Diskussionen im 1946 gegründeten Berufsverband Bildender Künstler im Allgäu waren kontrovers, das Interesse an Ausstellungsmöglichkeiten riesig, Bilderankäufe selten, das Überleben als Künstler schwierig.
In dieser Situation erschien die Sammelleidenschaft des Dr. Wilhelm Maul wie ein Silberstreif am Horizont. Er nahm persönlich Kontakt zu vielen Künstlern auf, besuchte sie in ihren notdürftigen Werkstätten, freundete sich an und half durch seine Ankäufe zu überleben und ihre Werke zu bewahren. Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass wir heute dieses Frühlingserwachen nach 1945 in der Ausstellung nachvollziehen können.
Bereits mit 13 Jahren hatte Dr. Wilhelm Maul angefangen Kunst zu sammeln. Diese Leidenschaft ließ in nie mehr los. Er sammelte, was ihm in einem tieferen Sinn schön erschien. Maria Farkas beschreibt ihren Vater: Er "war ein Mann von hoher Bildung, der sich sein ganzes Leben lang mit allen geistigen Strömungen auseinandergesetzt hat...Seine Leidenschaft für die Kunst war ein Ausdruck seiner Leidenschaft für den Menschen. Mit gleicher Zuneigung war er Arzt, Künstlerfreund, Sammler."

Maria Farkas hat als Tochter diesen Sinn für Schönheit bewahrt und eine eigene Bildsprache gefunden, dies auszudrücken. In ihren Werken sind die Leichtigkeit und das Licht des Frühlings sichtbar. Es sind vor allem Stilleben in sehr feiner, lasierender Maltechnik mit Gegenständen im Spiel von Licht und Schatten, die transparent scheinen und wie von innen her erleuchtet wirken. Maria Farkas schafft klar abgegrenzte Formen in einer harmonischen Gesamtkomposition so wie wir Individuen und Teile einer Gemeinschaft sind.
Die Künstlerin genoss an der Akademie der Bildenden Künste in München als Schülerin von Franz Nagel eine fundierte Ausbildung, war viele Jahre Lehrerin in Kempten und widmet sich seit über 20 Jahren dem eigenen künstlerischen Schaffen. Darüber hinaus hat sie das Erbe ihres Vaters angetreten und u.a. mit ihren Themenausstellungen im Kunstkabinett eine spannende Verknüpfung gefunden für die Werke der Sammlung Dr. Mauls mit denen zeitgenössischer Künstler im Allgäu.

Ausstellung:
02. April bis 01. Mai 2011
Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr

Ausstellungseröffnung:
Freitag 01. April 2011, 19 Uhr
Einführung Maria Farkas und Dr. Erich Farkas
Musik: Verena Hofmann, Gitarre

Links:
www.kemptener-kunstkabinett.de
www.mariafarkas.de
www.kultur-oa.de/kunsthaus-jauss